a_kindermusik03
Kinderlieder
Tierlieder
Schlaflieder
Weihnachtslieder

Tierische Lieder Geschichten

– Teil 2 –

 

Der Kater kam immer häufiger zu Besuch. Ich besorgte Futter und ließ ihn schließlich in meinem Zimmer übernachten. Ein mit Sand gefüllter Karton diente als Katzenklo, das er ohne Umwege benutzte.

Mein Zwergkaninchen erlebte den neuen Hausfreund als Bedrohung, der Spaß daran hatte, es wie eine Maus im Zimmer herumzujagen.

Da ich mit dem Kater viel mehr anzufangen wusste als mit meinem hoppelnden Haustier, begann ich bald, das Kaninchen zu vernachlässigen. Aus lauter Kummer fraß es sich so dick und fett, dass es nur noch träge und faul in seinem Käfig sitzen konnte.

 

 

Also fress ich 

Niemand hat mich lieb,
also fress ich,
niemand kommt und sagt mir guten Tag.
Niemand spricht mit mir,
also fress ich,
weil niemand mich so gern wie früher mag. 

Niemand kommt und streichelt mich,
ich sitz allein in meinem Käfig,
fress mich voll den lieben langen Tag ...

 

Niemand hat mich lieb ...

Niemand kommt und schaut nach mir,
ich warte schon seit Stunden hier
und fress mich voll den lieben langen Tag ...

 

Niemand hat mich lieb ...

Niemand kommt und fragt mich,
ob ich raus will aus dem Käfig,
darum sitz ich hier und fress den ganzen Tag ...

 

Niemand hat mich lieb ...

Niemand kommt und streichelt mich,
ich sitz allein in meinem Käfig,
fress mich voll den lieben langen Tag ...

 

Niemand hat mich lieb ...

 

 

Der Kater wurde mir zum besten Freund. Ich freute mich, dass er immer wieder zu mir zurückkehrte, obwohl er draußen herumlaufen durfte, so oft er wollte.

Wenn ich traurig war, fand ich Trost bei ihm. Dann schnurrte er behaglich, und ich konnte mich an ihn kuscheln.

Während ich das Kaninchen nur noch fütterte und ab und zu seinen Stall säuberte, konnte ich mit dem Kater richtig spielen. Er rannte hinter kleinen Bällen her, sprang auf sie und schnappte hinein.

Eines Tages aber erschreckte ich mich furchtbar, als ich aus dem Fenster schaute: Der Kater hatte eine kleine Maus in seinem Maul, ließ sie wieder laufen, sprang auf sie und schnappte erneut zu.

Die Maus tat mir Leid, und ich wollte ihr helfen. Aber der Kater hörte nicht auf mich, und ich musste mit ansehen, wie er das kleine Tier langsam totbiss, um es anschließend zu verschlingen.

 

 

Katz und Maus

Katzen fressen Mäuse, davon hab ich gehört,
doch mein Kater soll das nicht, weil mich das furchtbar stört.
Mäuse sind so niedlich mit ihren großen Ohrn,
warum nur muss mein Kater diese süßen Tiere quäln.
Ich weiß nicht, was das soll, ich find das gar nicht toll,
die Schüssel von dem Kater ist mit Katzenfutter voll.

Menschen fressen Schweine, davon hab ich gehört,
doch ich selber will das nicht, weil mich das furchtbar stört.
Ich ess am liebsten Würstchen, gebraten und gekocht,
Salami, Mortadella hab ich immer schon gemocht.
Ich weiß nicht, was das soll, die schmecken einfach toll,
im Supermarkt sind die Regale doch mit Würstchen voll.

Ich hab nen Freund, den Peter, der hat mir nun erzählt:
Wurst und Frikadellen sind aus Tierfleisch hergestellt.
Ich wollte das nicht glauben und fragte die Mama,
ob Tiere für mich sterben müssen, und sie sagte: Ja!
Ich weiß nicht, was das soll, ich find das gar nicht toll,
mit Würstchen füll ich mir den Bauch so liebend gerne voll.

Katzen fressen Futter, das hat mich nicht gestört,
bis ich erfuhr, dass Tierfleisch in die Dose reingehört.
Selbst die Gummibärchen, hat Papa mir erzählt,
werden mit nem Zusatz aus Tierknochen hergestellt.
Ich weiß nicht, was das soll, ich find das gar nicht toll,
mit Gummibärchen füll ich mir den Bauch am liebsten voll.

Was soll ich denn nun essen: Gemüse, Brot, Salat?
Auch Pflanzen sind lebendig, hat mir Opa mal gesagt.
Vielleicht von jedem etwas und nicht mehr so viel Wurst,
davon bekomm ich sowieso nur einen Riesendurst.
Ich find es zwar nicht toll und weiß nicht, was das soll,
doch Hunger hab ich auch nicht gern, drum fress ich mich so voll.

 

 

Als Kind konnte ich mich nie daran gewöhnen, dass Katzen Mäuse jagen, töten und auffressen. Ich fand es grausam.

Andererseits gab es eine Zeit, da dachte ich mir nichts dabei, Schmetterlinge zu fangen und ihnen die Flügel einzureißen, damit sie nicht wegfliegen konnten. Gemeinsam mit meinen Freundinnen sammelte ich die bunten Falter, als seien sie leblose Steine.

Dass Schmetterlinge verhungern, wenn sie nicht mehr fliegen können, wussten wir nicht. Wir sahen nur die bunten Farben und wollten nach ihnen greifen. Sie leuchteten so schön, schimmerten im Sonnenlicht und erschienen uns wie ein wunderbarer Schatz.

Es gefiel uns nicht, dass der Schmetterling immer wieder durch unsere Finger glitt, wenn wir ihn berühren und festhalten wollten. Also nahmen wir ihm seine Freiheit und merkten viel zu spät, dass wir damit auch sein Leben zerstörten.

 

 

Bunter Schmetterling 

Bunter Schmetterling, sag, wo fliegst du hin?
Ich möchte gerne mit, nur ein Stück.
Mal weg von hier zu Haus, nur ein bisschen raus,
wie es mir gefällt in die große weite Welt.

Wie du möcht ich gerne mal fliegen,
vom Boden abheben, ganz schwerelos schweben.
Doch ich bleib wie'n Mehlsack hier kleben,
so sehr ich mit Armen auch flatter und schlage,
ich falle wie ein Stein wieder hin.

 

Bunter Schmetterling, schwebt so leicht dahin,
wie ein Blatt geschwind durch den Wind.
Flügel schimmern sanft, weich wie Seidenglanz,
schwingen wie im Tanz, und ich fang zu träumen an:

Wie du möcht ich gerne mal fliegen ...

 

Bunter Schmetterling, ich bleib, wo ich bin,
auf dem Boden stehn, um zu sehn,
wie du mich verlässt, wenn es dir grad passt,
sehnsuchtsvoller Blick, vielleicht kommst du ja zurück ...

Wie du möcht ich gerne mal fliegen ...

 

 

Vielleicht habt ihr auch schon einmal davon geträumt, fliegen zu können. Ich bin im Traum manchmal auf Bäume geflogen, wie ein Vogel. Dabei habe ich mich ganz leicht gefühlt, frei von allen Sorgen und Problemen des Alltags.

Dieses Gefühl hat wohl auch die Menschen dazu getrieben, sich Maschinen zu bauen, mit denen sie in die Luft steigen können. In einem Flugzeug zu sitzen, das vom Boden abhebt und über den Wolken schwebt, ist für viele ein aufregendes Abenteuer.

Ein Vogel braucht solche aufwendigen Flugmaschinen nicht. Aus eigenen Kräften kann er sich von der Erde entfernen und ebenso sicher wieder landen.

Vielleicht möchten die Menschen an dieser Freiheit teilhaben, wenn sie sich Vögel in Käfigen halten. Aber sobald ein Vogel eingesperrt ist, hat er seine Freiheit verloren, wie der Schmetterling mit eingerissenen Flügeln.

 

 

Es saß ein klein’ wild Vögelein
Volkslied aus Siebenbürgen

Es saß ein klein' wild Vögelein auf einem grünen Ästchen:
Es sang die ganze Winternacht, die Stimm' tät laut erklingen.

„O sing mir noch, o sing mir noch, du kleines wildes Vögelein!
Ich will um deine Federchen dir Gold und Seide winden.“

„Behalt dein Gold, behalt dein Seid, ich will dir nimmer singen;
ich bin ein klein' wild Vögelein, und niemand kann mich zwingen.“

„Geh du herauf aus diesem Tal, der Reif wird dich auch drücken.“
„Drückt mich der Reif, der Reif so kalt, Frau Sonn wird mich erquicken.“

 

 

Vielen Menschen fällt es schwer, einen Vogel einfach nur zu beobachten und sich an seinem Gesang zu erfreuen. Etwas Schönes möchten wir gerne anfassen, festhalten und am liebsten nie mehr loslassen.

Ein wildes Vögelein singt nicht, wenn wir es dazu zwingen. Es lässt sich auch nicht mit Geld und anderen kostbaren Dingen locken. Mit einem Geldschein oder einem Klumpen Gold weiß ein Vogel nichts anzufangen. Er braucht die Freiheit, um dorthin fliegen zu können, wo die Sonne ihn wärmt und er genug zu fressen findet.

 

 

Flieg, Vögelein 

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Ich würd mich freun, wenn du uns mal
besuchen kommst, aber auch sonst:
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Wenn ich dich seh, dann bleib ich stehn
und träum davon mit dir zu gehn.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Zu gern wär ich wie du so frei
und schlüpfte aus 'nem Vogelei.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Dein Nest sieht so gemütlich aus,
am liebsten wär ich da zu Haus.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Dein Pfeifen hats mir angetan,
mein Herz fängt wild zu tanzen an.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Wenn ich durch meine Lippen blas,
kommt nichts als Luft: Wie machst du das?
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Du bist so klein und doch so schnell,
fliegst höher als mein Federball.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Ich schau dir nach und stell mir vor,
du öffnest uns das Himmelstor.
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.
Ich würd mich freun, wenn du uns mal
besuchen kommst, aber auch sonst:
Flieg, Vögelein, flieg! Ich hab dich immer lieb.

 

 

Mein geliebter Kater jagte nicht nur Mäuse, Wollknäuel und Papierkugeln. Eines Tages entdeckte ich einige tote Vogelbabys im Gras, die gerade erst aus dem Ei geschlüpft waren. Sie lagen unter einem großen Baum, in dem sich ihr Nest befand. Der Kater war hinaufgeklettert und hatte das Nest geplündert.

Ich war schockiert! Aber so sehr ich mit dem Kater schimpfte und ihn für diese Taten verachtete – er hörte nicht auf mich.

Mit der Zeit wurde mir dieses Tier immer unheimlicher ...

 

 

Ein Raubtier

Hier spricht dein kleiner Schmusekater:
Ich bin und bleib ein Raubtier, glaubs mir!

Wenn es raschelt, wenn ich ein Piepsen hör,
ja, dann packts mich, dann hält mich gar nichts mehr.
Ich muss jagen, irgendwas treibt mich an,
das sind Triebe, für die ich gar nichts kann!

 

Hier spricht dein kleiner Schmusekater:
Ich bin und bleib ein Raubtier, glaubs mir!

Immer wieder, da überkommt es mich.
Fress ich Mäuse, sagst du, das darf ich nicht.
Muss sie jagen, so wie es mir gefällt,
kenne gar nichts, was mich davon abhält.

 

Hier spricht dein kleiner Schmusekater:
Ich bin und bleib ein Raubtier, glaubs mir!

Ich muss jagen, was vor mir läuft und fliegt.
Dafür wart ich, lauernd, bis sich was regt.
Und dann spring ich, renne, so schnell es geht,
wie ein Sturm, der Laub über Straßen fegt.

 

Hier spricht dein kleiner Schmusekater:
Ich bin und bleib ein Raubtier, glaubs mir!

Es hilft gar nichts, wenn du mich laut beschimpfst
oder wenn du drohend die Nase rümpfst.
Ich muss jagen, das ist für mich normal,
und dein Reden ist mir so schnurz egal!

 

Hier spricht dein kleiner Schmusekater:
Ich bin und bleib ein Raubtier, glaubs mir!

 

 

Tierische Lieder Geschichten
– Teil 3 –

Seitenanfang

 

© 2002 Jutta Riedel-Henck