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Tierische Lieder Geschichten

– Teil 3 –

 

Viele Bauern halten sich Katzen auf ihrem Hof, damit sie MĂ€use fangen. MĂ€use können sich sehr schnell vermehren. HĂ€tten sie keine natĂŒrlichen Feinde wie Katzen, Wiesel oder Raubvögel, gĂ€be es bald zu viele MĂ€use.

Auch in unsere Speisekammer hatte sich einmal eine MĂ€usefamilie eingenistet. TĂŒten mit Mehl, Nudeln, Erbsen und Milch wurden angeknabbert und alle zernagbaren Packungen aus Pappe oder Plastik mit Löchern versehen. Zwischen ausgelaufener Milch, NudelstĂŒcken und KrĂŒmeln lagen ĂŒberall kleine Köttel herum, so dass uns bald der Appetit verging.

So eine kleine Maus war mit ihren großen Ohren und den langen Barthaaren zwar sĂŒĂŸ und niedlich anzuschaun, aber in unserem Haus richtete sie allerlei SchĂ€den an.

 

 

Die Maus

Eine kleine Maus,
die sucht sich was im Treppenhaus.
Die kleine graue Hausmaus
sucht was im Treppenhaus.

Schnuppert mit dem NĂ€schen,
die Barthaare, die zucken leicht.
Die kleine graue Hausmaus
sucht was im Treppenhaus.

 

Kleine graue Maus,
was suchst du da im Treppenhaus?
Du kleine graue Hausmaus,
was suchst du in dem Haus?

Sucht sich was zu fressen
und knabbert sich ein kleines Loch,
die kleine graue Hausmaus,
zur Speisekammer raus.

 

Kleine graue Maus
lÀuft wild umher im Treppenhaus.
Die flinke graue Hausmaus
flitzt rum in unserm Haus.

Knabbert an Tapeten
und knabbert unterm Teppich rum.
Die freche graue Hausmaus
will nicht aus unserm Haus raus.

 

Dicke graue Maus
baut sich ein Nest im Treppenhaus.
Die kleine graue Dickmaus
sucht Platz in unserm Haus. 

Unter der Kommode
hat sie ihr Lager aufgebaut
aus Fusseln und Tapeten,
ein Nest bei uns im Haus.

 

DĂŒnne kleine Hausmaus,
was piepst da so im Treppenhaus?
Unter der Kommode,
da quiekt es laut heraus.

Viele kleine HausmÀuse
flitzen durch das Treppenhaus:
die kleine graue Hausmaus
mit Kindern in dem Maushaus!

 

 

Unsere HausmĂ€use fraßen, wer weiß das nicht, gerne Speck und KĂ€se. Also lockten wir sie mit einem StĂŒck Schinkenspeck in die Falle.

Die Falle glich einem kleinen runden KĂ€fig mit zwei Schlupflöchern, die so gebaut waren, dass eine Maus nicht mehr zurĂŒck konnte, war sie erst einmal in den KĂ€fig geschlĂŒpft.

Aber unsere HausmĂ€use waren nicht nur hungrig, sondern auch schlau und vielleicht etwas zu klein fĂŒr diese Falle. Sie quetschten sich zwischen die GitterstĂ€be hindurch, nachdem sie den Speck verputzt und zum Zeichen ihres Besuches ein oder zwei Köttel hinterlassen hatten.

 

 

In der Falle

Schmi, ma, mi ma schmatz.
Die Maus versteckt sich vor der Katz,
wartet, bis sie nichts mehr hört
und niemand sie beim Fressen stört.

Hmm, na, hmm nam nam.
Die Maus will an den Speck heran,
huscht so leise, wie sie kann
in die Falle, ja, und dann ...

Schmi, ma, mi ma meck,
verputzt die Maus den leckren Speck,
knabbert hastig alles weg,
doch dann bekommt sie einen Schreck.

Ei, jei, jei der daus,
wie soll sie da nur wieder raus?
Flitzt im Kreis und steckt den Kopf
in jeden Spalt und jedes Loch.

Schwi, wa, wu wa schwitz,
quetscht sich die Maus durch einen Schlitz,
macht sich wie gewalzt so platt,
doch immerhin ist sie jetzt satt!

 

 

Die MĂ€use hielten uns ganz schön in Atem. TĂ€glich mussten wir staubsaugen, da in den Ecken kleine MĂ€useköttel lagen und uns den Appetit verdarben. Außerdem wussten wir ja inzwischen, dass jeder KrĂŒmel auf dem Teppich ein Leckerbissen fĂŒr die MĂ€use war, die uns gar nicht mehr verlassen wollten.

Eine neue Falle wurde besorgt, deren Gitter so engmaschig waren, dass auch die kleinste Maus nicht hindurchschlĂŒpfen konnte. Und siehe da, bald saß die erste Maus in der Falle, und wir konnten sie nach draußen vor die TĂŒr setzen.

Leider hatten wir uns zu frĂŒh gefreut. Denn von nun an schnappte die Falle immer hĂ€ufiger zu. Manchmal mussten wir acht oder neun mal am Abend eine Maus in den Garten bringen.

War das so eine große MĂ€usefamilie? Oder kamen die MĂ€use durch ein Loch zurĂŒck in das Haus? So muss es wohl gewesen sein, denn langsam erkannten wir die ein und andere Maus wieder.

FĂŒhlten wir uns einerseits belĂ€stigt von dieser MĂ€useplage, entwickelten wir doch Mitleid mit den kleinen Tieren, die in der Falle schrecklich ins Schwitzen kamen vor lauter Angst. Das Aufstellen der Falle lockte die hungrigen MĂ€use geradezu an. Den Speck konnten sie sich einfach nicht entgehen lassen.

Und tatsÀchlich: Nachdem wir die Falle weggestellt hatten, blieben auch die MÀuse nach und nach fern. Nur vereinzelt kamen sie noch zu Besuch.

 

 

Halli, hallo

„Halli hallo, dich kenn ich doch,
kleine freche Maus,
erst gestern abend sah ich dich
hier bei uns im Haus.“

„Deine Sprache sprech ich nicht,
riesengroßer Mensch,
wenn ich Angst hab zitter ich
wie du vor nem Gespenst!“

„Halli hallo, ich weiß nicht recht,
kleine freche Maus,
wie ich dich vertreiben soll
hier aus unserm Haus.“

„Draußen ist es kalt und nass,
riesengroßer Mensch,
wenn ich friere, zitter ich
wie du vor nem Gespenst.“

„Halli hallo, ich mag dich wohl,
kleine freche Maus,
du knabberst nur so viel kaputt
hier bei uns im Haus.“

„Was dich stört, das kratzt mich nicht,
riesengroßer Mensch,
wenn ich Speck und KĂ€se riech,
vergess ich meine Angst.“

„Halli hallo, was soll ich tun,
kleine freche Maus,
deine Angst kann ich verstehn,
drum setz ich dich jetzt raus.“

„Was du tust, das mag ich nicht,
riesengroßer Mensch,
siehst du nicht, ich zitter so
wie du vor nem Gespenst.“

„Halli hallo, du arme Maus,
ich kann nichts andres tun,
von allein gehst du nie raus,
und ich will meine Ruh!“

„Bitte schön, dann tu es doch,
riesengroßer Mensch,
ich find schon ein neues Loch,
sag nicht, dass du mich kennst!“

„Auf Wiedersehen sag ich nicht,
kleine freche Maus,
die Löcher stopf ich einfach dicht,
du kommst nicht mehr ins Haus!“

„Hi hi hi, das glaubst du wohl,
riesengroßer Mensch,
wenn ich wiederkomm, denkst du,
ich sei nur ein Gespenst.“

„Halli hallo, dich kenn ich doch,
kleine freche Maus,
knabberst dir ein neues Loch
hier zu uns ins Haus.“

„Weil ich klein bin, kann ich das,
riesengroßer Mensch,
ganz egal, ob dir das passt,
auch wenn du mich schon kennst!“

 

 

So klein eine Maus auch ist – sie kann uns großen Menschen eine Menge Ärger bereiten.

Aber da gibt es ja noch viel kleinere Tiere, die mich schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht haben ...

 

 

Die MĂŒcke

Ich lieg im Bett, das Licht ist aus,
und mach die Augen zu,
der Tag war lang, ich fĂŒhl mich matt,
will nur noch meine Ruh.

Gerade war ich eingenickt
und fing schon an zu trĂ€um’,
da hör ich dicht an meinem Ohr
ein surrendes GerÀusch:

Sssssssssssss ...

 

Ich zuck zusamm’, das kenn ich doch,
da fliegt was in der Luft:
ein winziges Insekt – stinksauer schimpfe ich:
Du Schuft! 

Du hast mir grade noch gefehlt,
du blödes kleines Biest!
Doch wart nur, dich erwisch ich gleich,
glaub nicht, dass du mich piekst!

Sssssssssssss ...

 

VerÀrgert kriech ich aus dem Bett
und seufze vor mich hin.
Wo ist denn jetzt der Lichtschalter?
Da juckts mich schon am Kinn! 

Im Dunkeln stolper ich mich Krach
und stoße an die TĂŒr,
fass mir an’ Kopf und fluche nur:
Ich hasse dieses Tier!

Sssssssssssss ...

 

Das Licht brennt schon, jetzt gehts dir an
den Kragen, du Vampir!
Die Augen kneif ich fest zusamm’,
nimm dich in Acht vor mir!

Aha, ich seh nen kleinen Fleck
da oben an der TĂŒr.
Mit einem Schlag erwisch ich dich,
das hab ich im GespĂŒr.

Mmmmmmmm ...

 

Na siehst du wohl, das kommt davon,
ich lass mich doch nicht quÀln!
Dein grauenhaftes Surrkonzert
wird mir gewiss nicht fehln!

Ich lösch das Licht und kriech ins Bett,
deck mich gemĂŒtlich zu,
die Nacht war kurz, ich fĂŒhl mich matt,
will endlich meine Ruh.

 

Gerade war ich eingenickt
und fing schon an zu trĂ€um’,
da hör ich dicht an meinem Ohr
ein surrendes GerÀusch ...

Sssssssssssss ...

 

 

Kennt ihr die Redewendung: „Nun mach doch aus einer MĂŒcke keinen Elefanten“? Damit ist gemeint, dass man sich nicht so furchtbar ĂŒber kleine Dinge aufregen soll. Wenn das so einfach wĂ€re ...

Da fallen mir nĂ€mlich noch viele andere winzige Tiere ein, die sich von uns Menschen nicht so leicht unterkriegen lassen: Flöhe, LĂ€use und Wespen zum Beispiel. Und was mir da noch alles fĂŒr Geschichten einfallen ...

Aber ich habe nun genug erzĂ€hlt, obwohl – ja, vergessen habe ich auch eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass ich nicht nur einen, sondern drei Goldhamster hatte, von denen keiner besonders lange lebte. Auch habe ich nicht erzĂ€hlt, wie mein Zwergkaninchen gestorben ist und was aus dem Kater wurde, den ich eines Tages auf einen Bauernhof brachte. Schließlich erinnere ich mich an die Trauerfeier fĂŒr eine Stubenfliege, der ich im Garten ein kleines Grab herrichtete, geschmĂŒckt mit GĂ€nseblĂŒmchen und einem Kreuz aus dĂŒnnen Ästen.

Wenn ich heute zurĂŒckdenke, habe ich immer noch ein ziemlich schlechtes Gewissen. Was mögen die Tiere nur von mir gedacht haben? Können Tiere ĂŒberhaupt denken? Man sagt ja, sie können es nicht, aber ich weiß nicht so recht ...

Die Erwachsenen halten Kinder ja auch oft fĂŒr dĂŒmmer als sie eigentlich sind. Und es ist ein ziemlich blödes GefĂŒhl, wenn jemand sagt: Das kannst du nicht, dafĂŒr bist du zu klein! – Dabei können Kinder sooo viel! Zum Beispiel weitererzĂ€hlen, wozu ich nicht gekommen bin.

Wie wĂ€re es mit einem selbst erdachten MĂŒckenkrimi? Oder einem lustigen Flohlied? Vielleicht habt ihr ja selbst ein Haustier und stellt euch vor, was es euch gerne in der Menschensprache erzĂ€hlen wĂŒrde.

Habt ihr erst einmal damit angefangen, könnt ihr mir hoffentlich nachfĂŒhlen, wie schwer es ist, so eine Geschichte zu beenden. Aber dann – am besten gleich mit der nĂ€chsten Geschichte beginnen!

 

 

Schenk mir ein Tier

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein Hund, mit dem ich tollen kann,
der immer zu mir hÀlt,
der nur auf mich alleine hört
und vor Freude bellt.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein Pferd, auf dem ich reiten kann,
das immer zu mir hÀlt,
das nur auf mich alleine hört,
mit rabenschwarzem Fell.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein Vogel, der laut singen kann,
der immer zu mir hÀlt,
der nur auf mich alleine hört
und nie runterfÀllt.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein KĂ€tzchen, das ich schmusen kann,
das immer zu mir hÀlt,
das nur auf mich alleine hört,
mit kuschelweichem Fell.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein Hamster, der schnell rennen kann,
der immer zu mir hÀlt,
der nur auf mich alleine hört,
sich auf zwei FĂŒĂŸchen stellt.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Ein Meerschweinchen, das quieken kann,
das immer zu mir hÀlt,
das nur auf mich alleine hört,
mit wuscheligem Fell.

Ach Papa, schenk mir endlich ein Tier!
Egal, ob Hund, Pferd oder Schwein,
auch eins fĂŒr wenig Geld,
denn was fĂŒr mich alleine zĂ€hlt, ist,
dass es zu mir hÀlt!

 

 

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Noten- und Klangbeispiele

 

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© 2002 Jutta Riedel-Henck